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Gereon Frahling:

Kölner Web-Unternehmer verwischt seine Spuren im Netz


Dass korrupte Politiker, gedopte Sportler oder geschasste Manager frühere Veröffentlichungen gerne aus dem Verkehr ziehen würden (von den aktuellen Berichten über sie einmal ganz zu schweigen), ist nicht neu.
Dieses Ziel versuchen sie in der Regel mit Hilfe juristischer Instrumente wie Abmahnungen oder einstweilige Verfügungen durchzusetzen.
Bei Dr. Gereon Frahling würde man ein solches Verhalten eher nicht erwarten: Der promovierte Informatiker hat ein Jahr bei Google in New York gearbeitet, bevor er Ende 2007 in Köln zusammen mit Leonard Fink den Übersetzungsdienst Linguee.de entwickelte. Das Projekt ging 2009 ins öffentliche Netz, wurde mehrfach ausgezeichnet und von Investoren mit den nötigen Mitteln für die weitere Expansion versorgt.

Vorzeige-Start-up

2013 machte das Unternehmen nach eigenen Angaben erstmals Gewinn - die Werbeeinnahmen überstiegen die laufenden Kosten. Im August 2017 folgte dann mit DeepL ein weiterer Dienst, der ganze Textpassagen in fremde Sprachen übersetzt und dabei sogar Konkurrenten wie Google Translate abhängt. Im Vergleich zu anderen Diensten, so schreiben übereinstimmend die Zeit, der Spiegel und das Computermagazin c-t, liege DeepL qualitativ an der Spitze.
Alles in allem also eine Erfolgsgeschichte, die zeigt, dass es deutsche Start-ups sogar mit solchen Schwergewichten der digitalen Wirtschaft wie Google aufnehmen können. Entsprechend positiv wurde die Unternehmensentwicklung in der (analogen und digitalen) Presse begleitet. Hilfreiche Unterlagen für die Berichterstattung, z.B. ein Unternehmensprofil (als PDF-Dokument) und hochauflösende Fotos (3345 x 2330 px) der beiden Gründer, stellte Linguee.de im Pressebereich des eigenen Servers für den Download zur Verfügung. Ein übliches Verfahren und Zeichen für eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit.

In unserer Zeitschrift »Media Guide NRW« haben wir im Jahr 2011 über erfolgreiche Gründungen im Verbreitungsgebiet der Publikation berichtet und in diesem Rahmen das Pressefoto mit den beiden Linguee-Gründern veröffentlicht. Frahling und Fink posieren darauf als strahlende Jungunternehmer vor ihrem Firmenschild.

Säuberungsaktion

Seit Oktober 2018 hat Gereon Frahling damit begonnen, seine Fotos und Videos aus dem Web zu löschen. Bei dem eigenen Server ist das ganz einfach, da braucht man niemanden zu fragen.
In den Suchmaschinen wie google oder bing (Microsoft) sind Anfang Dezember 2018 noch Verweise auf die Fotos und das Firmenprofil im Pressebereich von Linguee.de zu finden - die Links führen aber ins Leere.
Erfahrungsgemäß dauert es eine Weile, bis die Suchmaschinen ihren Cache komplett aktualisiert haben.

Eigene Videos, teilweise erst im September 2017 eingestellt, konnte er ebenfalls problemlos entfernen, so beispielsweise auf uepo.de, dem Übersetzerportal oder das Interview der Gründerszene vom Mai 2012.

Schwieriger ist es für Frahling, Veröffentlichungen auf fremden Webseiten zu beseitigen. In diesen Fällen ist er auf die Mitwirkung der Betreiber angewiesen. Und die kann er entweder nett bitten oder eine Drohkulisse mit juristischen Schritten aufbauen.
Tatsächlich finden sich im Web inzwischen eine Reihe von Seiten, auf denen vor kurzem noch sein Foto abgebildet war und jetzt eine Lücke klafft.
Beispiele dafür bietet der Webauftritt der Welt und der Gründerszene.

Hintergrund

Frahlings Motive liegen zur Zeit völlig im Dunklen. Seine Fotos erscheinen in einem freundlichen redaktionellen Umfeld, die Frisur sitzt, und von irgendwelchen Skandalen ist bislang nichts bekannt.

Sachdienliche Hinweise, die zur Aufklärung führen, können an unsere Email-Adresse geschickt werden: redaktion@messetreff.com.

In der Korrespondenz mit unserem Verlag macht er jedenfalls dunkle Andeutungen zu einer persönlichen Bedrohungslage:

»... Ich kann Ihnen leider dazu nicht mehr sagen, nur, dass Sie in meiner Situation mit Sicherheit auch so handeln würden. Die Albrecht-Brüder haben auch beispielsweise nach der Entführung versucht, die Öffentlichkeit gänzlich zu scheuen...
Ich bitte Sie aber, zu sehen, dass es Situationen gibt, bei der der Schutz einzelner Personen wirklich wichtig ist.«


Es scheint sich aber um einen reinen Vorwand zu handelt: Als wir darauf eingehen und unter diesen Umständen (aber auch nur dann) eine Löschung in Aussicht stellen, reagiert er extrem ungehalten.

Anspruchsgrundlage Kunsturhebergesetz (KUG)

Zentrales Element dieses Gesetzes aus dem Jahr 1907 bildet das Recht am eigenen Bild. Durch dieses wird sichergestellt, dass bei der Veröffentlichung und Verbreitung von Fotos, welche Menschen zeigen, eine Einwilligung der abgebildeten Personen vorliegt. Ausgenommen von dieser Regel sind aber unter anderem Personen des öffentlichen Lebens und solche Personen, die für das Posieren bei einer Fotografie entlohnt wurden. Schließlich wusste das Model, dass es abgelichtet wurde.
Frahling beruft sich auf §22 KUG und behauptet, niemals die Einwilligung zur Veröffentlichung des Fotos gegeben zu haben. Bei einem Pressefoto, das die zwei Unternehmensgründer vor dem Firmenlogo zeigt und genau zum Zwecke der Veröffentlichung bereitgestellt wurde, ist dieses Argument nicht recht nachzuvollziehen.

Wie es jetzt weitergeht

Der von Frahling beauftragte Rechtsanwalt Jörg Schaller (ebenfalls Köln) verlangt die Löschung des Fotos, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und natürlich die Zahlung seiner Gebühren.
Wir haben Frahling daher (sicherheitshalber) auf dem Foto unkenntlich gemacht, für seinen Anwalt eine modifizierte und deutlich präzisere Unterlassungserklärung aufgesetzt und warten darauf, jetzt auf Zahlung der Anwaltsgebühren verklagt zu werden.
Dann dürfte sich vor Gericht auch klären, ob ein Pressefoto nach vielen Jahren zurückgezogen werden muss, wenn es eine der abgebildeten Personen so verlangt.

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