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Geschwindigkeitsrausch

LTE-Projekt NRW schreibt Mobilfunk-Geschichte

LTE-Projekt

Mit einem gemeinsamen Tastendruck wird im April 2009 dasLTE-Pilotprojekt auf der Nordhelle offiziell gestartet.

 

 

 

 

Die Nordhelle in Südwestfalen, mit 663 Metern der höchste Gipfel des Ebbegebirges, steht im Zentrum der wohl bedeutendsten Entwicklung des Mobilfunks in NRW. Vom dortigen WDR-Sendeturm aus startete im September 2009 mit einemPilotprojekt die Erfolgsgeschichte des neuen Mobilfunkstandards Long Term Evolution. LTE ermöglicht Übertragungsgeschwindigkeiten von 300 MBit pro Sekunde und mehr auf das Handy. Hochauflösende Videos, Multiplayer Online-Spiele, Auto-Navigationssysteme – die Grenzen des mobilen Internets sind damit praktisch aufgehoben.

Daten in kürzester Zeit stabil zu übertragen, ohne dabei andere Übertragungen wie beispielsweise DVB-T zu stören, das war das Ziel des Pilotprojekts, umgesetzt von Vodafone, WDR und der Landesanstalt für Medien (LfM) mit der Unterstützung der NRW-Landesregierung. Hierfür wurde die so genannte »digitale Dividende« genutzt, also jene Frequenzen, die durch die Umstellung auf das digitale TV frei wurden. Im Mai 2010 ergatterten T-Mobile, Vodafone und O2 bei der Versteigerung der LTE-Frequenzen durch die Bundesnetzagentur jeweils zwei der insgesamt sechs begehrten Datenpakete. Insgesamt wurden Gebote im Wert von 4,38 Mrd. Euro abgegeben.


Prof. Dr. Helmut Thoma

Die vier Generationen des Mobilfunks


LTE Van




Navigationssysteme

Der neue Mobilfunkstandard verspricht u.a. eine Revolution bei mobilen Navigationssystemen.

 

ePlus

LTE-Sendeturm auf der Nordhelle, Ebbegebirge.

 

 

 

Staus auf der mobilen Datenautobahn

Schon im September 2008 führte die Telekom LTE vor: Ein Kleinbus pendelte zwischen der Zentrale in Bonn und dem T-Mobile-Hauptquartier auf der anderen Rheinseite über die Brücke, während im Fahrzeug die schnelle Datenübertragung lief.
Teil der Bedingung für die Versteigerung der LTE-Übertragungsrechte war die flächendeckende Versorgung ländlicher Gebiete mit Breitband-Internet - diese ist inzwischen, zwei Jahre nach dem Beschluss, so gut wie abgeschlossen: 85 Prozent aller Haushalte in Deutschland sind heute Internet-fähig. Die EU beteiligt sich mit Förderpaketen von mehreren Millionen am Projekt Long Term Evolution.

Diese Investition war dringend notwendig. Im Jahr 2011 waren in Deutschland 11,8 Millionen Smartphones verkauft worden - 31 Prozent mehr als im Vorjahr. IPhones, Datenpauschaltarife der Mobilfunkbetreiber und Web 2.0-Anwendungen führen zu »Staus« auf der mobilen Datenautobahn. Der mobile Datenverkehr soll 2013 um 57 Prozent auf 170 Millionen Gigabyte steigen, schätzt der IT-Verband Bitkom auf Basis von Daten des internationalen Marktforschungsinstituts Eito. Die Telekom reagiert darauf, indem sie die UMTS-Netze mit HSPA+-Technik aufrüstet. HSPA+ ist ein Verfahren der mobilen Datenübertragung, das eine weiterentwickelte UMTS Infrastruktur verwendet und damit Datenraten von bis zu 28Mbit/s ermöglicht. Auf Dauer ist dies jedoch nicht genug. »Mit der nächsten Technologiegeneration werden ganz neue Anwendungen auf mobilen Geräten möglich werden«, erläutert Günther Ottendorfer, Technology Director der Telekom. »Dazu gehören hochauflösende Videoübertragungen, Multiplayer-Online-Spiele oder sekundenschnelle Downloads großer Dateien.«

T-Mobile zeigte auf dem Mobile World Congress 2010 ein beeindruckendes LTE-Demo: Der Messestand in Barcelona, die Bonner Zentrale und ein Auto in Innsbruck waren miteinander verbunden und tauschten mit 70 MBit/s Videos und Daten aus. Der Willicher Gerätehersteller LG Electronics präsentierte zeitgleich den Prototyp eines drahtlosen LTE-USB-Modems mit einer Download-Geschwindigkeit von 100 MBit/s. Und das Düsseldorfer Technologieunternehmen Ericsson führte gar einen Download mit 1GBit/s vor, eine Geschwindigkeit, die sogar herkömmliche Festnetzanschlüsse übersteigt. LTE entpuppt sich damit als High-Speed-Verbindung, die das Standard-DSL in den Schatten stellen und sich nicht nur für mobile Geräte, sondern auch für den Heimrechner lohnen könnte. Zu den Vorteilen gehört zudem die höhere Reichweite und Zuverlässigkeit der LTE-Signale. Selbst bei schnellen Fahrten in Zügen oder auf der Autobahn kann eine stabile Verbindung beibehalten werden.

Diese Übertragungsgeschwindigkeiten verhelfen nicht nur dem Handy-TV zu einer Renaissance, sie revolutionieren auch Navigationssysteme. Mit der sekundenschnellen Übertragung großer Datenmengen wird im Gesundheitswesen zudem die mobile Übermittlung ganzer Patientenakten möglich. Auf der CeBIT 2009 zeigte Vodafone ein mobiles Breitband-System mit Gesundheits- und Multimedia-Anwendungen, darunter Videokonferenzen in HD-Qualität und Datenaustausch von Computertomografien, Mammografien oder Röntgenbildern, wie er auch zwischen einer Praxis und Gesundheitszentren erfolgen könnte. Auch die mobile Kommunikation zwischen Maschinen, beispielsweise die Übertragung neuer Software auf Autos ist möglich; Near Field Communication schafft eine Schnittstelle, mit der das Handy drahtlos mit anderen Gegenständen kommunizieren kann. LTE könnte auch dem Konzept »Augmented Reality« zum endgültigen Durchbruch verhelfen: Richtet ein Handynutzer seine Kamera z.B. auf ein historisches Gebäude, blendet eine Software ein, wer das Gebäude erbaut hat und welche Bedeutung damit verbunden ist. Auch LTE-Anwendungen im Flugverkehr wurden bereits getestet.


Thomas Elllerbeck

»Eine Wissensgesellschaft wie Deutschland braucht eine moderne Kommunikationsinfrastruktur. Die Versorgung auch ländlicher Gebiete mit Breitband-Internet spielt eine zentrale Rolle für die Attraktivität von Städten und Gemeinden als Wohnort und Standort für Unternehmen. Das gemeinsame Pilotprojekt in NRW ist ein wichtiger Schritt. Wir haben ein klares Ziel: Internet für alle.«

Thomas Ellerbeck, Vodafone Deutschland


Neue Geräte und Anwendungen

Der Markt gerät schon jetzt heftig in Bewegung: Die Elektronikunternehmen LG und Research in Motion werden noch 2010 erste LTE-Geräte auf den Markt bringen. Das chinesische Unternehmen ZTE, das seinen Deutschlandsitz in Düsseldorf hat, brachte ein LTE-USB-Modem für Net- und Notebooks mit nach Barcelona, das sie dort T-Mobile und Vodafone vorstellten. Die Aachener Softwareschmiede Scientific Computers bietet Breitbanddienste auf der Grundlage von LTE an. Dazu zählt die Übertragung von 3D-Inhalten an mobile Endgeräte, wie sie für Second Life interessant ist. »Unsere innovativen Produkte eröffnen neue Potenziale für die Anwendungen mobiler Endgeräte. Mit Produkten wie Metaport demonstrieren wir die breit gefächerten Möglichkeiten mobiler Anwendungen«, betont Scientific Computers-Geschäftsführer Markus Schindler. Der entscheidende technische Vorteil von LTE liegt darin, dass der Standard vollständig auf das IP-Protokoll setzt. Selbst Sprache wird als VoIP übertragen, womit kurze Reaktionszeiten gewährleistet werden. Auf einen Standard für die Sprachübermittlung will die Branche sich rasch einigen. Hierzu gründeten Unternehmen wie Ericsson, Huawei, LG Electronics, T-Mobile und ZTE das »VoLGA-Forum« (Voice over LTE via Generic Access).
Die Mobilfunkanbieter müssen für LTE Milliarden in den Ausbau der Netze investieren. Zugleich bieten T-Mobile, Vodafone und O2 bereits LTE-Flatrates an. Das Problem ist nur, dass angesichts der hohen Verbreitung von Flatrate-Tarifen die Einnahmen der Netzbetreiber stagnieren; durch LTE könnten die Einnahmen aus Handygesprächen und SMS sogar vollständig wegbrechen. Eine Lösung liegt hier in einem limitierten Übertragungsvolumen; ist eine bestimmte Datenmenge übertragen worden, wird die Verbindung gekappt – eine Taktik, die auch schon bei UMTS Verwendung findet. Da ein Smartphone-Nutzer soviel Datenverkehr produziert wie 30 Kunden mit herkömmlichen Handys, ist dies ein nachvollziehbarer Schritt. Großzügige Pauschalangebote könnten daher bald der Vergangenheit angehören.

Rapider Zuwachs

Aktuell können bundesweit schon 13 Millionen Haushalte den neuen Mobilfunkstandard LTE empfangen, so die Ergebnisse einer Umfrage des Hightech-Verbands Bitkom. Demnach haben die Anbieter bislang rund 3.000 LTE-Basisstationen in Betrieb genommen. Mehr als 150.000 Kunden nutzen die neue Technologie. »Nach der Versorgung des ländlichen Raums wird jetzt der LTE-Ausbau in den größeren Städten fortgesetzt«, kommentiert Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf. Köln und Düsseldorf sind bereits weitgehend LTE-vernetzt.

Auch die Anwendungen für LTE nehmen rapide zu. Bereits verfügbar sind Modems und LTE-Sticks für PCs und Tablets. Nun folgen Handy-Hersteller wie Samsung und Nokia mit den ersten LTE-Smartphones.

Und mit LTE-Advanced steht bereits die nächste Übertragungsevolution bevor. Mit der verbesserten LTE-Technologie sind Downloads mit bis zu 1 Gigabit (1000 Megabit) pro Sekunde möglich. Dazu ist nicht mal neues Equipment vonnöten - bestehende LTE-Basisstationen bekommen lediglich ein Software-Update. Der Ausbau der Gigabit-Technologie soll in den nächsten vier bis fünf Jahren starten.

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