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Alles im Lot

Smartphones beleben das Mobilfunkgeschäft in NRW

Wasserwaage

Das Handy mit eingebauter Software-Wasserwaage ergänzt wohl bald den klassischen Werkzeugkoffer des Handwerkers. Eine entsprechende Entdeckung des Bonner Entwicklers MWM macht sich dabei den in den modernen Handys eingebauten Beschleunigungssensor zunutze. Die Applikation wertet dessen Angaben über die horizontale und vertikale Ausrichtung des Geräts aus. Finden wird der Handwerker seine Arbeitsstelle per Smartphone auf jeden Fall: Satellitennavigation gehört bei hochwertigen Geräten bereits zum Standard.

Das Marktforschungsinstitut EITO prognostiziert dem deutschen Mobilfunkmarkt insgesamt für das laufende Jahr nur ein leichtes Plus von 0,3 Prozent. Dafür wird 2009 das Jahr der mobilen Datendienste: In diesem Geschäftsfeld werden die Umsätze um voraussichtlich acht Prozent auf insgesamt 5,5 Milliarden Euro steigen. Neben Notebooks, Netbooks und klassischen Handys bieten gerade die neuartigen Smartphones die perfekte Hardware für die Nutzung mobiler Datendienste. Nach der Ersteigerung der UMTS- Lizenzen, die die Mobilfunkbetreiber Milliarden gekostet hat, fehlten lange die entsprechenden Geräte, um die Möglichkeiten der neuen Technik gewinnbringend nutzen zu können. Jedes zehnte Handy weltweit ist bereits ein Smartphone mit Satelliten-Navigationsfunktion, Internet- und E-Mail-Zugriff. 16 Prozent der Deutschen nutzen die Vorteile des mobilen Internets, 41 Prozent der Smartphone-Besitzer geben an, mit diesen Geräten sogar täglich durch das Netz zu surfen. So sorgen die mobilen Alleskönner, eine Mischung aus Mobiltelefon und Personal Digital Assistant, für lukrative Geschäfte.


Mike Lazaridis

»Wir freuen uns, mit Bochum einen weiteren Standort für unsere weltweit maßgebenden Research- & Development-Zentren gefunden zu haben. Der neue Standort wird eine bedeutende Rolle für unsere führende Position und in der Entwicklung unserer Smartphone-Technologie einnehmen sowie uns dabei unterstützen, unseren Kunden auch weiterhin marktführende Lösungen anbieten zu können.«

Mike Lazaridis, Gründer und Co-CEO von Research In Motion


 

 

Uni Bochum

Die Ruhr-Universität Bochum, Standort des neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums von Research In Motion

 

 

 

 

 

Mobile Internetdienste

Die meist genutzten mobilen Internet-Dienste (Stand: September 2008), Quelle: TNS Infratest

 

 

 

 

 

Ansturm

Der Verkaufsstart des Apple iPhone in Deutschland löste wahre Kundenanstürme aus

Das iPhone von Apple stellte im Jahr 2007 die Initialzündung dieser Entwicklung dar. Zum ersten Mal ließ sich ein Handy per Touchscreen bedienen und konnte als portabler Mini-Computer genutzt werden, der immer und überall ein Portal ins World Wide Web offen hielt. Apple ging dabei auch in der Vermarktung neue Wege, schloss mit ausgesuchten Providern Exklusivverträge und sicherte sich so einen Anteil an deren monatlichen Umsätzen durch die Mobilfunkverträge mit den Endkunden. Die Software für das iPhone stellt eine weitere Einkommensquelle für das Unternehmen dar: Zwar dürfen externe Softwareentwickler Applikationen für das Apple-Smartphone produzieren, allerdings erhält Apple im Gegenzug 30 Prozent aller Einnahmen aus deren  Verkauf.

Die neue Handy-Generation

Der Erfolg des iPhone provozierte natürlich in der Folge andere Handy-Hersteller, mit Smartphones in den Markt einzutreten. Deren Aufmerksamkeit richtete sich insbesondere auf die Touchscreen-Technik, wie beispielsweise die Google-Handys mit dem speziell hierfür entwickelten Betriebssystem »Android«. Das erste Android-Handy G1 ist exklusiv bei T-Mobile erhältlich, während seit April 2009 das HTC Magic bei Vodafone zu haben ist. »Android« hat einen entscheidenden Vorteil für Softwareentwickler, erläutert Dirk Ellenbeck von Vodafone: »Es ist ein offenes Betriebssystem, jeder, der möchte, kann dafür Applikationen schreiben.« Nutzer wiederum profitieren vom direkten Zugriff auf beliebte Web-2.0-Anwendungen wie Twitter, YouTube oder Flickr. Was Smartphones für den Endkunden besonders reizvoll macht, ist die Möglichkeit, Anwendungen indivi-duell zusammenzustellen. Dementsprechend bietet der Smartphone-Markt ideale Voraussetzungen, um mit dem Download entsprechender Software Geschäftserfolge zu generieren. Microsoft unterstützt dies und bietet mit dem »Windows Marketplace for Mobile« eine Plattform für Softwareproduzenten.

Smartphone-Entwicklungszentrum NRW

NRW gilt schon seit Jahren als das Zentrum des deutschen Telekommunikationsmarkts. Bonn ist die Heimat des größten deutschen Mobilfunkproviders T-Mobile, und in Düsseldorf haben E-Plus und Vodafone ihren Hauptsitz. Letzterer wurde für seine Innovationsführerschaft im Februar 2009 von der GSM Association anlässlich des Mobile World Congress gleich mehrfach ausgezeichnet, zum einen in der Kategorie »Bester mobiler Geschäftskundenservice« für seinen Dienst »Vodafone Global Enterprise«, zum anderen in der Kategorie »Bester mobiler Bezahlservice« mit »M-Pesa«. Außerdem wurde der BlackBerry Storm, der von dem Düsseldorfer Unternehmen exklusiv vermarktet wird, als bestes Touchscreen-Smartphone prämiert.

Zwar hat der finnische Handy-Produzent Nokia dem Standort Bochum mittlerweile den Rücken gekehrt, dafür hat sich der kanadische BlackBerry-Hersteller Research In Motion (RIM) dazu entschlossen, in der Nähe der Ruhr-Universität, auf dem Gelände des Uni Tech Centers, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum zu eröffnen und damit auch bis zu 500 Experten aus dem Telekommunikationssektor neue Arbeitsplätze zu bieten. RIM, der Erfinder des mittlerweile ein Jahrzehnt alten BlackBerry, produziert sowohl drahtlose Handheld-PCs und Wireless Plattformen als auch Radio-Modems und Software-Entwicklungstools. »Die Investitionsentscheidung von RIM belegt die Qualität des Technologie-Standortes NRW mit seinen Hochschulen und sonstigen wissenschaftlichen Einrichtungen«, betont Wirtschaftsministerin Christa Thoben. »RIM ist eine exzellente Bereicherung der Telekommunikations- und Informationstechnologie in der Region.« Dies wird spätestens im Herbst 2009 unter Beweis gestellt werden, wenn das erste Smartphone in die Läden kommen wird, das vom ersten Entwurf bis zum fertigen Gerät komplett in Bochum gefertigt wurde. Außerdem engagiert sich RIM auch in der Ausbildung neuer Fachkräfte, etwa durch die Finanzierung von Masterstipendien in Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik. »Wir freuen uns, dass wir mit RIM einen starken Partner aus der Industrie gewinnen konnten«, erklärt Professor Rainer Martin, Dekan der Fakultät Elektro-/Informationstechnik an der Ruhr-Universität Bochum. »Für unsere Absolventen könnte RIM ein attraktiver Arbeitgeber werden. Darüber hinaus wollen wir in Zukunft gemeinsame Forschungsprojekte angehen.« Letzteres plant RIM auch in Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund und der RWTH Aachen.
Die Innovationen, die Smartphones in den Markt eingebracht haben, bieten vielen Unternehmen der IT-Branche neue Geschäftschancen. Immer mehr Softwareentwickler beteiligen sich an der Konzeption neuer Programme. Beispielsweise entwickelte Google sein Handy-Betriebssystem »Android« unter anderem in Zusammenarbeit mit T-Mobile, das die damit bestückten »G1-Google-Smartphones« auch exklusiv vermarktet.

»Nachhaltige Evolution«

Ericsson mit Deutschlandsitz in Düsseldorf stellte gemeinsam mit Vodafone einen neuen UMTS-Übertragungsstandard unter dem Namen »Long Term Evolution« (LTE) vor, der Datenraten von mehr als 100 Mbit/s verspricht. Deutschland ist laut Ralf Klüber von Vodafone Vorreiter dieser neuen Technologie: »Die Bundesrepublik hat die größte Breitbandabdeckung und die meisten Basisstationen in ganz Europa.« Dr. Christoph Bach von Ericsson fordert gar die Versteigerung möglicher Frequenzbänder für LTE: »Im Jahr 2012 wird es weltweit mehr mobile Breitbandanschlüsse als feste geben. Gründe dafür sind sicherlich die weiterhin stark steigende Internetnutzung und fallende Preise sowie der Aufbau von mobilen Breitbandnetzen in aufstrebenden Märkten, wo keine Kabelinfrastruktur vorhanden ist.«
Das Ratinger Unternehmen Asus entwickelte ein neues Windows-Mobile-Gerät, das seinen Breitband-Internetzugang per WLAN-Sharing anderen Mobilgeräten zur Verfügung stellt, ohne dass zusätzliche Software installiert werden müsste. Dieses Smartphone »P835« ist nicht nur zum Surfen geeignet, sondern nutzt auch den hochwertigen Browser Opera Mobile, und mit der Java-Unterstützung des Geräts kann der Nutzer weitere Browser bequem installieren.
Dank einer Entwicklung des Elektronikherstellers Düwi aus Breckerfeld bei Hagen ist es seit kurzem möglich, mit dem Smartphone zu kontrollieren, ob die heimische Alarmanlage auch wirklich aktiviert ist, oder das Ferien-haus vor der Ankunft bereits vorzuheizen. Das Z-Wave-Funksystem erlaubt dem Benutzer, sich über das Mobilfunknetz mit dem heimischen Internet Gateway zu verbinden und auf das dort installierte Funknetzwerk zuzugreifen. Alle per Funk angeschlossenen und mit einem Roooter steuerbaren Geräte können so unterwegs reguliert werden. Nicht nur die Erhöhung des Wohnkomforts wird damit möglich, sondern auch die Steigerung der Sicherheit. Denn mit einer Z-Wave-kompatiblen Webcam kann der Smartphone-Nutzer jederzeit zu Hause nach dem Rechten sehen.

Smart und smarter

Das Projekt »Open Street Map« mit Zehntausenden von freiwilligen Helfern, die mit mobilen GPS-Geräten Koordinaten von Straßen, Telefonzellen, Restaurants oder Kinderspielplätzen erfassen, ist aktuell die größte Geodatensammlung weltweit. Pascal Neis vom Lehrstuhl Kartographie des Geographischen Instituts der Universität Bonn entwickelte die Webdienste der »Open Route Services« mit Routenplanern für Pkw, Umgebungssuchen und Erreichbarkeitsanalysen. Mit dem Android-Navigationssystem »AndNav« bringt nun der Software-Entwickler Nicolas Gramlich diese auch auf das »T-Mobile-Handy G1«. Zu den Möglichkeiten, die »AndNav« bietet, zählt unter anderem auch die Option, eigene GPS-Daten in das »Open Street Map«-Projekt zu übermitteln und damit aktiv zu unterstützen.
Beim Wettbewerb »Calling All Innovators« wurde die Idee von Markus Löchtefeld und Johannes Schöning, Mitarbeitern am Institut für Geoinformatik der Universität Münster, in der ersten Auswahlrunde mit 10.000 US-Dollar prämiert. Die Anwendung »Photo Map« erlaubt es Nutzern, ein selbst geschossenes Foto von einer öffentlichen Karte als Datengrundlage für ihr Satelliten-Handy zu nutzen. Da öffentliche Karten – im Gegensatz zu den meisten speziellen Karten für mobile Navigationsgeräte – mehr Details enthalten, entsteht so für den Nutzer ein deutlich genaueres Abbild der direkten Umgebung und hilft so bei der genauen Navigation.

Mehr Leistung

Für die neueste Smartphone-Generation wird im Augenblick an der Ruhr-Universität Bochum an Multi-Core-Systemen gearbeitet, die schon längst zum Standard in Computern gehören, nun aber auch im Mobilfunk zum Einsatz kommen sollen. Die Forscher um Projektkoordinator Prof. Dr. Attila Bilgic versuchen, mit dem Projekt »eMuCo« (Embedded Multi-Core Procession for Mobile Communication) die Leistungsfähigkeit der mobilen Geräte zu erhöhen. »Die jüngsten Fortschritte in der Drahtlosnetzwerktechnologie und das exponentielle Wachstum der Nutzung von Multimedia-Anwendungen lassen vermuten, dass Multi-Core-Plattformen die Lösung der Zukunft für Mobiltelefone sein werden«, erläutert Dr. Maria Elizabeth Gonzalez de Izarra, die das eMuCo-Forscherteam an der Ruhr-Universität leitet. Dank mehrerer separater Kerne (Cores) innerhalb des Prozessors, die nur bei Bedarf zugeschaltet werden, wird die Leistung an die aktuellen Anforderungen jeweils angepasst und ermöglicht das parallele Betreiben verschiedener Softwares und Protokolle. Für dieses internationale Projekt stehen nun auch EU-Fördergelder von rund 2,9 Millionen Euro bereit.

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