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Beziehungskiste

TV und Internet in Norddeutschland

YouTube

YouTube, das weltweit bekannteste Internet-Video-Portal

 

 

 

 

 

Internet-TV

Das Internet-TV-Portal Global-ITV.com

 

 

 

 

 

TV-Internet

Der Konsument wird selbst zum TV-Anbieter. Möglich macht dies beispielsweise das interaktive Hamburger Stadt-Portal TVenty.de, das von TVzweinull in Zusammenarbeit mit der Hamburger Morgenpost produziert wird. TVenty hat eine eigene Redaktion, die Inhalte zu Themenbereichen wie Gastronomie, Party, Shopping oder Kultur erstellt. Zugleich werden die Nutzer aber auch aufgefordert, eigene Videos auf das Portal zu laden oder bestehende Inhalte zu kommentieren.

Fest steht, dass Internet-TV, Video Communities und Peer-to-Peer-TV (P2P) gerade bei jungen Usern einen regelrechten Boom ausgelöst haben. Und es ist nicht mehr zu übersehen, dass das gute alte Fernsehen weltweit heftige Konkurrenz aus dem Web bekommt.
Dass TV-Inhalte zukünftig verstärkt über das Internet vertrieben werden, liegt natürlich auf der Hand. Und dass Fernsehkanäle als alleinige Plattform für den Vertrieb audiovisueller Inhalte ausgedient haben, ist ebenfalls Fakt. Insbesondere die Kids fühlen sich von Videoportalen wie beispielsweise der Google-Tochter YouTube wie magisch angezogen und wandern immer mehr ins Internet und ins Download-Zeitalter ab. Die Befürchtung der Sender, dass gerade die favorisierte junge Zielgruppe nicht mehr wie gewohnt ihre Vorabendsoaps konsumiert und sich stattdessen bevorzugt Videoportalen im Internet zuwendet, ist verständlich – und begründet.

Risse im Gebälk

Zwar erschließt das Web dem Zuschauer völlig neue TV-Formen, deren Initiatoren, wie am Beispiel YouTube deutlich wird, vereinzelt auch der große Reichtum beschert ist. Inwieweit dies auch für die anderen ehrgeizigen Internet-Pioniere gilt, die zahlreichen Glücksritter, die sich ein Stück von diesem Kuchen abschneiden möchten, bleibt erst einmal dahingestellt. Erfolg und Pleiten liegen nun mal dicht beieinander. Um dem konventionellen Echtzeitfernsehen ein wenig das Fürchten beizubringen, reicht es jedoch allemal.
Anlässlich Europas größter Fernsehmesse, der Mip-TV in Cannes, herrschte jedenfalls bei Fernsehproduzenten, Filmhändlern und Senderchefs aus aller Welt ziemliche Irritation ob dieser neuen Konkurrenz aus dem Internet. Das ein wenig in die Jahre gekommene Fernsehen fürchtet zu Recht um sein ehemaliges Alleinstellungsmerkmal. Dass einige TV­Unternehmen Federn lassen müssen oder vielleicht sogar den schärferen Wettbewerb nicht überstehen werden, lässt sich nicht mehr ignorieren. Die Zeiten sind passé, als noch Programmverantwortliche darüber entschieden, was wann und wo auf dem Bildschirm zu sehen ist. Die heutige @-Generation tickt einfach ein wenig anders, will ihr eigener Produzent und Macher sein.

Glücksritter im Internet

Wirft man einen Blick auf das Internet-TV-Portal Global-ITV.com (www.global-itv.com), dann gibt es mittlerweile weltweit rund 10.000 solcher jungen Internet-Sender, die meisten von ihnen sind kostenlos und frei verfügbar. An erster Stelle dieser Charts stehen natürlich die USA mit über 2.000 Stationen, danach aber folgt bereits Deutschland mit etwa 900. Dass die diversen Entwicklungen wie viele andere Strömungen ihren Ursprung im Mutterland des Fernsehens, in den USA, haben, dürfte niemanden sonderlich verwundern. Bereits etliche Jahre, bevor auch Good Old Germany den neuen Trend erkannte, sorgte in den USA ein Format namens »Rocketboom« für Furore. 2004 mit rund 700 Zuschauern gestartet, zählt das Format inzwischen mit über 300.000 Downloads pro Tag zu den weltweit erfolgreichsten Videoblogs.

Eine weitere Erscheinungsform, die in der weiten Fernsehlandschaft reiche Blüten trägt, ist Call-In TV. Weil sich damit gutes Geld verdienen lässt, finanzieren sich immer mehr Sender durch Telefonanrufe der Zuschauer bzw. durch einen rasenden Gebührenzähler. Von simplen bzw. gar die Intelligenz beleidigenden Quizfragen über Verbrauchertipps, Lebensberatung, Börsen- und Ernährungstipps bis hin zu ­Astro-Prognosen: Die tägliche Anruflawine lässt nicht nur die Telefone klingeln, sondern auch die Kassen. Besonders ältere Zuschauer oder solche, die online nicht so fit oder flink sind, greifen bevorzugt zum Hörer (und wundern sich anschließend über die Höhe ihrer Telefonrechung!). Und natürlich soll künftig auch das »Lieblingsspielzeug« der deutschen Kids und sonstigen Junggebliebenen, das Handy, als mobile Plattform für TV-Angebote stärker eingebunden werden.

Neue Geschäftsmodelle gefragt

Um mit den Wünschen der Verbraucher Schritt halten zu können und herkömmliches Fernsehen nicht zu einem Auslaufmodell verkommen zu lassen, sind jedenfalls von Seiten der privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Stationen neue Geschäftsmodelle gefragt. Ein wenig zwiespältig ist deren Verhältnis zum Web natürlich schon, schließlich liegt dort nicht nur die digitale Konkurrenz auf der Lauer. Mit dem sogenannten IPTV tun sich auch neue, alternative Verbreitungswege auf. Für Sendeanstalten bedeutet IPTV (Internet Protocol Television), mit dem die Übertragung von Breitband-Anwendungen wie TV-Programmen oder Filmen über ein digitales Datennetz bezeichnet wird, auch eine zusätzliche Möglichkeit der Kabelverbreitung zu den bisherigen klassischen Vertriebswegen wie Terrestrik, Kabel und Satellit. Und vieles spricht inzwischen dafür, dass Fernsehen demnächst immer stärker über das »Parallel-Universum« Internet-Protokoll erfolgt, wenngleich viele der bisherigen Projekte noch Pilotcharakter haben.

Bei Anruf Fernsehen

Auch in Bezahlservices und lukrativen Download-Angeboten sehen Sender Chancen, neue Einnahmequellen zu erschließen. Gerade das Internet ist eine ideale Keimzelle für beispielsweise Video-Pay-Services, wie sie derzeit überall aus dem Boden schießen.
Audio- und Videoportale im Internet ermöglichen zeitunabhängiges Fernsehen und beziehen den Mediennutzer ein. Dies hat für die öffentlich-rechtlichen Anbieter wie den Norddeutschen Rundfunk oder Radio Bremen eine besondere Bedeutung. Noch immer finanzieren sie sich überwiegend aus Rundfunkgebühren. ARD und ZDF verzeichneten im Jahr 2006 Gebühreneinnahmen von 8,5 Mrd. Euro, was einem Anteil von 84 Prozent der Gesamtbudgets entspricht. Dazu kommen noch Einnahmen aus Werbung und Sponsoring, dem Merchandising-Geschäft und der Zweitverwertung von Sendungen, etwa auf DVD.
Jetzt drängt es die öffentlich-rechtlichen Sender verstärkt ins Internet, aber nicht wegen der Finanzen – Online-Werbung ist für sie tabu. ZDF-Intendant Markus Schächter bringt es auf den Punkt: »Wer nicht ins Netz geht, geht ins Museum.« Die Hauptzielgruppe der Online-Aktivitäten ist das junge Publikum, das sich im klassischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen kaum noch wieder findet. Darüber hinaus gehört die Online-Präsenz für ARD und ZDF mit den frei zugänglichen und kostenlosen Mediatheken zur Grundversorgung und bietet einen Mehrwert, der ohne großen zusätzlichen Kostenaufwand realisiert werden kann.

IPTV in verschiedenen Formen schafft es zunehmend, den klassischen Anbietern Zuschauer abzujagen. Es entstehen immer mehr auf spezielle Zielgruppen oder Regionen zugeschnittene digitale Spartenkanäle, wie der Hamburger Black-Music-Sender Yavido, der schon etwa ein Jahr nach seinem Start über IPTV 200.000 Nutzer an sich binden konnte.
Hinzu kommen Digitalprogramme von Anbietern, die bislang mit dem Fernsehgeschäft gar nichts zu tun hatten, nun aber zu einer unerwarteten Konkurrenz erwachsen. Hamburger Zeitungsverlage wie Axel Springer oder die Bauer Media Group produzieren eigene Programme und Video-Nachrichten; genauso verfahren auch fast alle Fußballvereine der 1. Bundesliga. Der HSV bietet in seinem Internet-TV-Angebot zum Beispiel alle HSV-Bundesliga-Spiele live, exklusive Interviews oder Berichte aus dem Trainingslager. Genauso verfährt auch Werder Bremen mit seinem IPTV-Sender Werder-TV. Eins steht jedenfalls fest: Die Beziehungskiste zwischen Fernsehen und Internet bleibt spannend!


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