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Goldgräber

Popstars

Jubelnde Fans bei »Popstars«.

Das werbefinanzierte Kerngeschäft der privaten TV-Sender könnte mittelfristig stagnieren, marktfremde Wettbewerber ziehen zunehmend Wertschöpfung ab. Gleichzeitig entwickeln sich E-Commerce und Eventproduktionen zu ergänzenden Ertragssäulen. Die Kernkompetenz der Fernsehmacher bleibt dennoch die Produktion und Vermarktung massentauglicher Unterhaltungsprogramme, gerne auch im Internet abrufbar. Der Export erfolgreicher Formate spült zusätzliches Geld in die Kassen.

Bekanntestes Aushängeschild des in Unterföhring bei München ansässigen Privatsenders ProSieben ist sicherlich Comedy-Ikone Stefan Raab. Aber auch Topmodell und Modellmacherin Heidi Klum fühlt sich bei ProSieben bestens aufgehoben. Seit 2006 ist die mittlerweile vierfache Mutter und Wahlkalifornierin in der von ihr moderierten Castingshow auf der Suche nach »Germany‘s next topmodel«. Produziert wurden die sechs Staffeln des Erfolgsformats von der 1992 gegründeten Tresor TV Produktions GmbH, die zu den zehn größten Fernsehproduktionsfirmen in Deutschland zählt. Ihr Schwerpunkt ist der Bereich Entertainment mit Reality-, Fiction-, Show- und Magazin-Formaten wie aktuell »Popstars« (ProSieben) und »Supernanny« (RTL) oder in der Vergangenheit die Doku-Soap »Abschlussklasse« und die Comedy-Sendung »Darüber lacht die Welt« mit Hape Kerkeling.




Rekordverdächtig

Bemerkenswerte Quoten erzielen auch die ProSieben-Videoangebote, darunter Lifestyle-Magazine wie »red!« und »taff«, das Wissensmagazin »galileo«, der »Quatsch Comedy Club« oder das Reality-TV-Format »Das Model und der Freak«: Ganz vorne rangiert natürlich »Germany‘s next topmodel«.

Wer eine Folge verpasst hatte oder sie gar noch mal sehen wollte, konnte dies sieben Tage lang nach der TV-Ausstrahlung im Netz tun. Allein die erste Folge der sechsten Staffel wurde von über einer Million Deutschen im Internet abgerufen.
Derlei Zahlen bestätigen die Strategie des Senders, Zuschauer zunehmend über das Internet anzusprechen – und immer mehr Nutzer machen mittlerweile von dem Angebot der Mediatheken Gebrauch. Vermarkter ist die ProSieben-Tochter SevenOne Media in Unterföhring, zu deren Portfolio neben den Senderwebsites der ProSiebenSat.1 Group auch kabeleins.de und das Network des im Mai 2010 on air gegangenen Frauenkanals sixx gehören, gefolgt von My Video, Deutschlands größtem Online-Videoportal, sowie der Online-Videothek Maxdome. Laut SevenOne Media verzeichnet ProSieben.de pro Monat rund 12 Millionen Videoabrufe!

Video on Demand

Noch nie war es so einfach, bequem und kos-tengünstig, auf eine beinahe unbegrenzte Menge an Video-Content zuzugreifen – und das vom heimischen Sofa aus, vom Notebook oder vom Smartphone. Der Zuschauer wird zu seinem eigenen Programmdirektor: Er bestimmt, was er sieht, wann er es sieht und wo er es sieht.
Deutsche Internetnutzer werden dennoch in absehbarer Zeit keine private TV-Web-Plattform ähnlich dem amerikanischen Videoportal »Hulu« nutzen können. Das Bundeskartellamt hat die geplante Video-on-demand-Angebot der Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 gestoppt. Die Wettbewerbsbehörde untersagte den Aufbau und Betrieb einer gemeinsamen werbefinanzierten Plattform im Internet mit der Begründung, dass die beiden großen Sendergruppen einen Anteil in Höhe von 83 Prozent am TV-Werbemarkt haben und damit marktbeherrschend seien.

Für den Betrieb planten die RTL interactive GmbH und die ProSiebenSat.1 Media AG die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft, die den teilnehmenden Sendern die nötigen technischen Dienstleistungen wie Hosting und Streaming zur Verfügung stellen sollte.
Die vorerst gescheiterte Initiative zeigt, wie die Privatsender über Sendergrenzen hinweg der Abwanderung des Fernsehpublikums ins Internet entgegensteuern wollen.
Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF werden hingegen für ihre neue kommerzielle Online-Plattform »Germany’s Gold« wohl grünes Licht vom Bundeskartellamt erhalten. Ein Verbot ist unwahrscheinlich, da ARD und ZDF nur einen Anteil von 5,2 Prozent am TV-Werbemarkt haben.




Red!

»red!« Moderatorin
Annemarie Warnkross.

 

Fremde Familie

Szene aus der Bavaria Fernsehproduktion »Fremde Familie« mit Fritz Schediwy als »Robert« und Katja Riemann als »Ira«.

 

Wilde Wellen

Bavaria Fernsehproduktion »Wilde Wellen - Nichts bleibt verborgen« mit Johannes Zirner als »Paul Racine« und Henriette Richter-Röhl als »Marie Lamare«.

Content Syndication

Mit YouTube & Co. stoßen Fernsehsender auf branchenfremde Konkurrenten, die in den USA bereits damit beginnen, selbst Content zu produzieren. YouTube plant, eigene Inhalte rund um eine Anzahl von Kanälen mit jeweils einem thematischen Schwerpunkt zu organisieren. Internet- und Technologieunternehmen wie Google oder Apple setzen mit maßgeschneiderten Inhalten und innovativen Endgeräten die klassischen Anbieter unter Druck. Die werberelevante Zielgruppe ändert ihren TV-Konsum und nutzt internetbasierte Plattformen wie iTunes, YouTube oder Zattoo zunehmend als Ergänzung oder Ersatz zum klassischen Fernsehen. Bis 2015, so das Ergebnis der Studie, werden rund
30 Prozent der Gesamtumsätze im deutschen TV & Video-Bereich an Wettbewerber aus dem New Media-Bereich gehen.

Privatsender kooperieren im Gegenzug verstärkt mit »Content Syndication Partnern«, die ihr eigenes Onlineangebot durch Premium-Content bereichern wollen. Auf der Internetseite bunte.de sind beispielsweise Clips der RTL-Mediengruppe zu sehen. Von der Bewegtbild-Partnerschaft profitieren der in München ansässige Burda-Verlag und RTL interactive gleichermaßen. Mit dem »RTL Channel Player« erhalten die Nutzer der Website bunte.de die Möglichkeit, kurze Webclips zu erfolgreichen RTL-Formaten in themenspezifischen Kanälen wie Information, Boulevard, Service, Lifestyle oder TV-Programm abzurufen. »Content wird zum Markt- und Lizenzprodukt. Maximale Vielfalt und Flexibilität für die Konsumenten sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren«, fasst Thomas Künstner, Medienspezialist der Unternehmensberatung Booz & Company, die Ergebnisse einer firmeneigenen Studie zusammen.

Hochkarätige TV-Events

Aufwendige Event-Produktionen zeigen, dass sich mit Premium-Content außerhalb des Internets nach wie vor Erfolge erzielen lassen.
Die Bavaria Fernsehproduktion im Nobelvorort Grünwald vor den Toren Münchens hat in diesem Bereich die deutsche Fernsehlandschaft maßgeblich mitgeprägt.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert wurden hier wegweisende Fernsehproduktionen geschaffen wie Rainer Werner Fassbinders Literaturverfilmung »Berlin Alexanderplatz« (1980), Dieter Wedels Reeperbahn-Saga »Der König von St. Pauli« (1997), Heinrich Breloers mehrfach ausgezeichneter TV-Dreiteiler »Die Manns – Ein Jahrhundertroman« (2001) sowie das ebenfalls dreiteilige Doku-Drama »Speer und Er«, das 2006 mit der »Goldenen Romy« als Bester Fernsehfilm und mit dem »Jupiter« als bester TV-Spielfilm ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus erhielt Sebastian Koch für seine darstellerische Leistung sowohl den Bayerischen Fernsehpreis als auch den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Fernsehfilm.

Zu den aktuellen Produktionen der Bavaria Fernsehproduktion gehören der in der Bretagne gedrehte und im Spätsommer 2011 im ZDF ausgestrahlte Vierteiler »Wilde Wellen – Nichts bleibt verborgen«, ein Familiendrama voller Spannung und Leidenschaft, sowie das in den Hauptrollen mit Katja Riemann, Stephan Luca und Thomas Sarbacher im Auftrag des Bayerischen Rundfunks verfilmte und nach der Romanvorlage von Daniel Nocke inszenierte Drama »Die fremde Familie«, das auch für den Deutschen Fernsehpreis 2011 nominiert wurde. Wenngleich dieser Beitrag leer ausging, so durften sich dafür drei andere BR-Produktionen bei der diesjährigen Preisverleihung im Oktober in Köln über eine Auszeichnung freuen: nämlich die BR-Produktion »Homevideo« von Regisseur Kilian Riedhof, in der es um das Thema Mobbing geht (Darsteller Jonas Nay erhielt darüber hinaus einen Förderpreis). Nina Kunzendorf wurde für ihre beeindruckend gespielte Rolle in Rainer Kaufmanns Film »In aller Stille« geehrt; eine Sonderehrung für »Besondere Leistung Fiktion« wurde den drei Regisseuren – Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler – des Krimi-Panoramas »Dreileben« zuteil.

Stark nachgefragt sind auch populäre Serien aus Bayern wie »Die Rosenheim Cops« oder die seit April über die Bildschirme flimmernde Medical Daily Soap »Herzflimmern – Die Klinik am See« fürs ZDF (beide Bavaria Fernsehproduktion). Natürlich mischt auch das Münchner Unternehmen Constantin Entertainment kräftig mit, wenn es um TV-Erfolgsformate »Made in Bayern« geht. Die Doku-Soap »Frauentausch«, bei der zwei Frauen aus unterschiedlichem Umfeld zehn Tage lang zu der jeweils anderen ziehen, und »Extrem schön« (beide RTL 2), das Menschen zu ihrem Traumaussehen verhelfen will, sind ebenso quotenträchtige Beispiele wie die preisgekrönte Heimatserie des Bayerischen Fernsehens »Dahoam is Dahoam«, die im fiktiven Ort Lansing spielt.

Exportpioniere

Die öffentlich-rechtlichen Sender waren bereits in den 1970er-Jahren Pioniere auf dem Gebiet der Vermarktung deutscher Formate im Ausland: Von den Niederlanden bis Australien saßen die Zuschauer gebannt vor dem Fernsehschirm, wenn Horst Tappert als »Derrick« ermittelte. In Norwegen, wo die Krimiserie bis 1998 in 281 Folgen lief, erlangte der deutsche Kommissar gar die Ehrenbürgerwürde des Landes und die Serie Kultstatus. Der Satz »Harry, hol den Wagen!« ist in Norwegen ebenso bekannt wie hierzulande.

Ein weiterer und nicht minder erfolgreicher Krimi-Klassiker, der es bis nach Südafrika, Japan und Südamerika geschafft hat, ist »Kommissar Rex«. Die deutsch-österreichische Produktion, in der mittlerweile drei Kommissare (Tobias Moretti, Gedeon Burkhard und Alexander Pschill) und drei Schäferhunde mitwirkten, wurde vom Münchner Vertriebsunternehmen Beta Film in mehr als 110 Länder verkauft. Auch nach 100 Folgen ist kein Ende in Sicht, und der Wurstsemmeln stibitzende Vierbeiner »Rex« alias »Rhett Butler« ist weltweit der beliebteste »Schnüffler« aller Zeiten, natürlich mit einer großen Fangemeinde im Internet. Auch die leicht konsumierbare Telenovela »Sturm der Liebe«, die seit 2005 in der ARD ausgestrahlt wird, hat sich die Herzen der Zuschauer im In- und Ausland wortwörtlich im Sturm erobert. In mehr als 20 Länder wurde der von der Bavaria Fernsehproduktion produzierte Herz-Schmerz-Dauerbrenner bisher verkauft, unter anderem nach Italien, Österreich, Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Polen und in die Slowakei.
Ein Ende dieser Erfolgsserie ist nicht abzusehen.


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