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Beziehungskiste
TV & Internet in Bayern
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Sie heißen MyVideo, Ehrensenf, Helden TV, Seven Load, You Tube, Babelgum, Joost oder Zattoo - in Bayern auch Alpen-TV, Oktoberfest-TV oder FCB.tv. Manche dieser jungen TV-Sender auf IP-Basis sind kultig und witzig, andere wieder rein informativ und einer sperzifischen Zielgruppe zugeordnet. |
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»Einfache Nutzerführung mit der Konvergenz von Web, Mobile und TV ist zukunfsweisend.« »Die Verbindung von Spielen und Medien ist der Megatrend der nächsten Jahre. Immer mehr Zeit wird mit Computer- und Konsolen-Spielen zugebracht.«
»Das Internet ist eher eine Ideale Ergänzung als Kunkurrenz für TV.« |
Fest steht jedoch, dass Internet-TV, Video Communities und Peer-to-Peer-TV (P2P) gerade bei jungen Usern einen regelrechten Boom ausgelöst haben. Und es ist nicht mehr zu übersehen, dass das gute alte Fernsehen weltweit heftige Konkurrenz aus dem Web bekommt. ünftig verstärkt über das Internet vertrieben werden, liegt natürlich auf der Hand. Und dass Fernsehkanäle als alleinige Plattform für den Vertrieb audiovisueller Inhalte ausgedient haben, ist ebenfalls Fakt. Insbesondere die Kids fühlen sich von Videoportalen wie beispielsweise der Google-Tochter YouTube wie magisch angezogen und wandern immer mehr ins Internet und ins Download-Zeitalter ab. Die Befürchtung der Sender, dass gerade die favorisierte junge Zielgruppe nicht mehr wie gewohnt ihre Vorabendsoaps konsumiert und sich stattdessen bevorzugt Videoportalen im Internet zuwendet, ist verständlich – und begründet. Zumal schon weitere angetreten sind. Darunter Joost (ehemals: The Venice Project), der Internetfernseh-Dienst der beiden cleveren Skandinavier Niklas Zennström und Janus Friis, über den seit Oktober 2007 auch MTV als erster deutscher Musiksender ausstrahlt. Nachdem die beiden bereits mit der Internet-Musiktauschbörse Kazaa die Musikindustrie kräftig durcheinander gewirbelt haben und mit dem Internet-Telefondienst Skype (mittlerweile für rund 2,6 Mrd. US-Dollar an E-Bay verkauft) für Furore sorgten, starteten die gewieften Jungmillionäre mit Hilfe des Mediengiganten Viacom, einem Kapital von rund 45 Millionen US-Dollar und einem P2P-Netzwerk einen Angriff aufs Fernsehen. Videoclips sind im Programm weniger enthalten, dafür mehr Filme und Serien und die obendrein in hoher Qualität. Einen regelrechten Besucher-Ansturm verzeichnet auch der Schweizer IPTV-Dienst Zattoo, der im Oktober 2007 seinen einmillionsten Nutzer begrüßte; darunter auch 80.000 deutsche Surfer, die erst seit September Zugriff auf Zattoo haben.
Wirft man einen Blick auf das Internet-TV-Portal Global-ITV.com (www.global-itv.com), dann gibt es mittlerweile weltweit 6.300 solcher jungen Internet-Sender, die meisten von ihnen sind kostenlos und frei verfügbar. An erster Stelle dieser Charts stehen natürlich die USA mit rund 2.200 Stationen, danach aber folgt bereits Deutschland mit einer Zahl, die zwischen 420 und 660 schwankt. Dass die diversen Entwicklungen wie viele andere Strömungen ihren Ursprung im Mutterland des Fernsehens, in den USA, haben, dürfte niemanden sonderlich verwundern. Bereits etliche Jahre, bevor auch Good Old Germany den neuen Trend erkannte, sorgte in den USA ein Format namens »Rocketboom« für Furore. 2004 mit rund 700 Zuschauern gestartet, zählt das Format inzwischen mit über 300.000 Downloads pro Tag zu den weltweit erfolgreichsten Videoblogs. Natürlich mischt auch Bayern inzwischen in diesem Geschehen kräftig mit: von A-Z wie Alpen-TV, Avevita.TV (der erste Internet-TV Video-Travelguide in, aus und über Bayern), BMW-TV (all about Cars) oder Bayerischer Landtag-TV, City TV (mit Filmen zu Hotels und Restaurants), Deutsches Anlegerfernsehen (Informationen rund um den Dax), Gartenmagazin-TV (bringt Gärtnerglück auf den Bildschirm), Oktoberfest-TV (sendet nur zur »Wiesn«-Zeit), Speed-up-TV für Sportbegeisterte mit Filmen rund um 32 Sportarten (darunter Badminton, Billard, Behindertensport, Gewichtheben, Judo, Schach). Sci Fi Channel oder Weißwurst-TV. Doschauher (übersetzt: da schau her!) ist beispielsweise Web-TV, produziert von Studenten der Fachhochschule Deggendorf; da kann es schon einmal passieren, dass es heißt »nächste Sendung erst im neuen Semester« und man auf Archivbeiträge zurückgreifen muss. Kurzum, es gibt nichts, was es nicht gibt; nur eins verliert man in diesem Webdschungel ganz schnell, und das ist der Überblick. Eine weitere Erscheinungsform, die in der weiten Fernsehlandschaft reiche Blüten trägt, ist Call-In TV. Weil sich damit gutes Geld verdienen lässt, finanzieren sich immer mehr Sender durch Telefonanrufe der Zuschauer bzw. durch einen rasenden Gebührenzähler. Von simplen bzw. gar die Intelligenz beleidigenden Quizfragen über Verbrauchertipps, Lebensberatung, Börsen- und Ernährungstipps bis hin zu Astro-Prognosen: Die tägliche Anruflawine lässt nicht nur die Telefone klingeln, sondern auch die Kassen. Besonders ältere Zuschauer oder solche, die online nicht so fit oder flink sind, greifen bevorzugt zum Hörer (und wundern sich anschließend über die Höhe ihrer Telefonrechung!). Und natürlich soll künftig auch das »Lieblingsspielzeug« der deutschen Kids und sonstigen Junggebliebenen, das Handy, als mobile Plattform für TV-Angebote stärker eingebunden werden.
Um mit den Wünschen der Verbraucher Schritt halten zu können und herkömmliches Fernsehen nicht zu einem Auslaufmodell verkommen zu lassen, sind jedenfalls von Seiten der privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Stationen neue Geschäftsmodelle gefragt. Ein wenig zwiespältig ist deren Verhältnis zum Web natürlich schon, schließlich liegt dort nicht nur die digitale Konkurrenz auf der Lauer. Mit dem sogenannten IPTV tun sich auch neue, alternative Verbreitungswege auf. Für Sendeanstalten bedeutet IPTV (Internet Protocol Television), mit dem die Übertragung von Breitband-Anwendungen wie TV-Programmen oder Filmen über ein digitales Datennetz bezeichnet wird, auch eine zusätzliche Möglichkeit der Kabelverbreitung zu den bisherigen klassischen Vertriebswegen wie Terrestrik, Kabel und Satellit. Und vieles spricht inzwischen dafür, dass Fernsehen demnächst immer stärker über das »Parallel-Universum« Internet-Protokoll erfolgt, wenngleich viele der bisherigen Projekte noch Pilotcharakter haben.
Auch in Bezahlservices und lukrativen Download-Angeboten sehen Sender Chancen, neue Einnahmequellen zu erschließen. Gerade das Internet ist eine ideale Keimzelle für beispielsweise Video-Pay-Services, wie sie derzeit überall aus dem Boden schießen. Wirft man einen Blick auf die USA als Vorreiter, haben Internet-Shops und Online-Videotheken im vergangenen Jahr etwa 98 Millionen US-Dollar erwirtschaftet; 2007 werden gar 279 Millionen angepeilt. Die US-Marktforschungsfirma Forrester Research prognostiziert diesem Boom jedoch bereits ein Ende. Denn »dem Versuch, gezielt bestimmte Inhalte gegen Zahlung anzubieten, stehen immer mehr Kanäle gegenüber, die werbefinanziert über das Internet senden.« Und gegen kostenlose Anbieter können auch iTunes & Co. langfristig nicht bestehen.
Einer, der erst kürzlich seinen eigenen Kanal auf You Tube gestartet hat, ist der deutsche Rekordmeister FC Bayern (www.youtube.com/fcbayern). Der renommierte Fußballclub hatte zwar bereits vor geraumer Zeit in Kooperation mit Telekom das eigene Internet-Portal FCB.tv ins Leben gerufen; als zahlender Abonnent kann man dort im On-Demand-Modus Spielberichte, Hintergrundinformationen, Interviews, Homestorys der berühmten Kicker und viele andere Insider-Videos abrufen. Auf der You Tube-Seite sind nun gratis Filme aus dem FCB.tv-Archiv zu sehen, leider weder Spielausschnitte noch Highlights aus Bundesliga oder UEFA-Cup, denn die gibt’s ausschließlich auf FCB.tv. Trotzdem, eine clevere Idee der Bayern, denn nach den Clubs FC Chelsea, FC Barcelona und AC Milano sind sie nun der Vierte im Bunde, der auf diese Weise seine Fans weltweit erreicht und einen weiteren Schritt in die mediale Zukunft getan hat. »Wir sind froh, eine Exklusiv-Kooperation mit YouTube zu haben – es ist das größte Online-Videoportal weitweit«, verkündete Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern, nach dem Deal. Ein wenig erstaunt diese »frohe Botschaft« dann schon; holten der Bundesligist und die Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) doch vor gar nicht allzu langer Zeit noch zu einen Gegenschlag aus, um sich damit massiv gegen die Veröffentlichungen von privaten Bundesliga-Videos auf YouTube zu verwehren.
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