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Totgesagte leben länger

Unverhoffte Wiedergeburt des Digitalradios?

Hans Hege

Dr. Hans Hege, Direktor der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb)

 

 

 

DAB

Trotz gekürzter Finanzmittel für die Weiterentwicklung des Digital Audio Broadcasting (DAB), gibt die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) den Radiostandard noch nicht auf, der eigentlich zum UKW-Nachfolger erkoren war.

Dem terrestrisch übertragenen digitalen Radio könnte in naher Zukunft eine unverhoffte Renaissance bevorstehen: Billigere Geräte, leistungsfähigere Technik und mehr Frequenzen sollen den Umstieg erleichtern. Bereits jetzt kann DAB in Berlin und Brandenburg– theoretisch – von 90 Prozent der Bevölkerung empfangen werden. Tatsächlich bewegt sich der Höreranteil im kaum messbaren Bereich. Dabei wird die Digitalisierung des Radios von der Mehrheit der Veranstalter- und Betriebsgesellschaften, der Vermarkter, Verbände und Vertreter des Bürgerfunks durchaus unterstützt, sofern sie nicht beträchtliche eigene Investitionen erfordert. Während 48 Prozent der Befragten DAB+ und HD Radio als erfolgversprechende Standards sehen, betrachten fast doppelt so viele (81 Prozent) das Internetradio als zukunftsträchtiges Angebot.

Radio Big Bang

Die weitere Entwicklung des Digitalradios DAB hängt zum Großteil von der weiteren Finanzierung ab. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten in Deutschland (KEF) erklärte mit ihrem Bericht vom Januar 2008 DAB für gescheitert und kürzte die Finanzmittel für öffentlich-rechtliche DAB-Programme stark, sagte aber gleichzeitig weitere Mittel zu, falls man mit privaten Anbietern und Geräteherstellern einen gemeinsamen Weg einschlagen könnte. Optimisten hoffen, dass 2009 zum lang erwarteten Jahr des digitalen »Radio Big Bang« werden könnte.

DAB-Alternativen

Während sich die erzielbare DAB-Reichweite in Berlin und Brandenburg durchaus sehen lassen kann, so erscheint doch das Programm-Angebot recht dürftig und umfasst im wesentlichen UKW-, aber auch rein digitale Programme des DeutschlandRadios, inklusive des neuen Angebots DRadio Wissen, sowie den Schlagersender oldiestar. Die privaten Lokalradios fehlen völlig – schließlich erreichen sie mit DAB zu wenige Hörer, um die Investitionen zu rechtfertigen. Bessere Chancen, im Jahr 2012 das analoge Radio zu ersetzen, hätte möglicherweise die Weiterentwicklung DAB+ mit verbesserter Audiocodierung.
Aber die Konkurrenz schläft nicht: Als Alternative zu DAB bietet sich der weltweite Standard »Digital Radio Mondiale« (DRM) an, der umgangssprachlich auch als digitale Mittelwelle bekannt ist, oder der Radioempfang per DVB-T bzw. DVB-H. »Digital Multimedia Broadcasting« wird in der bayerischen Stadt Regensburg getestet und »HD Radio« in der Schweiz.
Ein digitaler Radiostandard hat sich dagegen längst durchgesetzt: Mit tausenden von Stationen aus aller Welt bietet das Webradio seinen Hörern die Vielfalt, die sie auf UKW vermissen, und der Industrie einen interessanten Markt für neue Endgeräte.


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